Literaturtipp

Schlösser und Gutshäuser in Ostpreußen – Gerettetes oder verlorenes Kulturgut?

 

Das 2001 zum ersten Mal herausgegebene Buch von Małgorzata Jackiewicz-Garniec und Mirosław Garniec ist das erste, umfassende Werk, das sich mit Schlössern und Gutshäusern befasst, die sich in dem gegenwärtig polnischen, südlichen Teil Ostpreußens befinden. Eine Inspiration, es zu verfassen, war eine sehr freundliche Aufnahme der Fotoausstellung, die die Autoren vor fast 20 Jahren vorbereitet hatten.

Bis zum heutigen Zeitpunkt galten Schlösser und Gutshäuser in der polnischen Öffentlichkeit als das sogenannte ehemals deutsche Gut, das zur Plünderung bestimmt war oder im besten Fall als ein Bürogebäude der Landesproduktionsgenossenschaft oder als Wohnhaus für ihre Mitarbeiter diente.

Infolge der Wende 1989 wurden Gutshäuser durch die Agentur für Staatliches Landwirtschaftseigentum übernommen und durch sie gelangen sie zu Privateigentümern. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hatte aber kein Interesse daran, sie zu sanieren oder führte nur solche Renovierungsarbeiten durch, die den Denkmalschutzanforderungen nicht entsprachen. Diejenigen Gebäude, die noch Anfang der 90er Jahre zu retten waren und auf derer Grundlage ein touristisches Netzwerk auf westdeutschem oder französischen Niveau zu errichten war, verkamen oder wurden zu architektonischen Monstern. Eine gehörige Sanierung überforderte nämlich die meisten neuen Eigentümer, die Häuser selbst wurden zu einer Last, die keiner mehr brauchte und die man wieder ausrauben konnte.

Erst das Engagement der Autoren, die Ihrer Leidenschaft entsprang, lenkte die Aufmerksamkeit einer immer breiteren Zielgruppe auf die vergessenen Schätze der Region, die durch die Geschichte ihrer Eigentümer nicht nur mit deutschen Ländern, sondern mit Europa im Allgemeinen in Verbindung stehen. Dadurch widerlegt das Buch den Mythos des „ehemals deutschen“ Eigentums, was für jene Personen, die das Problem der verfallenen Denkmäler absichtlich ignorieren, durchaus schockierend sein kann. Nicht nur die Fotoausstellung, sondern auch das Buch wurde sehr freundlich aufgenommen und erhielt zahlreiche gute Rezensionen. Sie haben die Autoren dazu ermuntert, die bereits dritte Auflage herauszugeben und sie ins Deutsche übersetzen zu lassen. Die Einführung verfassten Adelheid Gräfin Eulenburg und die auch in der Republik Polen weit bekannte Herausgeberin der Wochenzeitschrift „Die Zeit” Marion Gräfin Dönhoff. Dank dem Buch hat bereits ein gutes Dutzend Gutshäuser neue Eigentümer gefunden, darunter solche, die sich den Anforderungen gewachsen zeigten und ihre Vorhaben erfolgreich fortsetzen, wie z. B. in Gallingen (Galiny), Eichmedien (Nakomiady) und Groß Pötzdorf (Pacółtowo) oder in Heinrichshöfen (Jędrychowo) und Allmoyen (Jełmuń).

Das Buch, das 329 Schlösser und Gutshäuser darstellt, ist in zwei Teile aufgeteilt. Die interessantesten sind in einem reich illustrierten Bildband mit ausführlichen Beschreibungen präsentiert. Der zweite Teil besteht dagegen aus einem alphabetisch geordneten Katalog, der alle erhalten gebliebenen Objekte mit einer kurzen Beschreibung und schwarz-weißem Foto enthält. Insgesamt beinhaltet das Werk fast 470 Aufnahmen, Archivmaterialien, Grundrisse sowie 56 Schloss- und Gutsanlagepläne, die auf Grund von topographischen Karten aus der Vorkriegszeit bearbeitet wurden. Dank einer schematischen Landkarte der Region, auf der die Lage einzelner Gebäude markiert ist, wurde es möglich, das Buch als einen Reiseführer zu nutzen.

Auf der Website der Autoren können Sie sich mit Auszügen aus den Büchern: Schlösser und Gutshäuser im ehemaligen Ostpreußen – Gerettetes oder verlorenes Kulturgut? und Burgen im Deutschordensstaat Preußen, Pomesanien, Oberland, Ermland, Masuren vertraut machen sowie sie bestellen.

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