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Die Rückkehr in die Heimat – Zu Besuch im Gutshaus Heinrichshöfen

 

Albrecht von Klitzing, der einem alten preußischen Adelsgeschlecht entstammt, kam 1925 in Grünfelde, Kreis Osterode, zur Welt – unweit jenes Feldes, auf dem sich 1410 die größte Schlacht des Mittelalters, die bei Tannenberg, ereignete. 1945 musste seine Familie wie Millionen andere Deutsche flüchten und nachdem Deutschland seine Ostgebiete verlor, durfte er nicht mehr heimkehren.

Er ließ sich in der Gegend von Frankfurt am Main nieder und war jahrelang bei der Firma Nestlé tätig. Als er schon längst pensioniert war, spielte er nach der Wende mit dem Gedanken, in seine Heimat zurückzukommen. Zunächst hatte er  keine Absicht, sich hier anzusiedeln, befreundete sich aber nach etlichen Reisen mit der Idee. Ganz zufällig entdeckte er den alten, stark verfallenen Gutshof in Heinrichshöfen und erwarb ihn als einer der ganz wenigen ersten Bundesdeutschen, der seine Wurzeln in der Region hat. Ängste, die man vor dem Beitritt der Republik Polen zur EU schürte, dass die Deutschen das ganze Land im Osten kaufen und zurückzugewinnen wollten, erwiesen sich letztendlich als unbegründet.

Das Gut Heinrichshöfen mit 600 ha Land gehörte einst zum Großgrundbesitz Sorquitten der Familien Bronikowski, von Mirbach und von Paleske. Das Gutshaus war vor allem als Sommerresidenz oder Jagdschlösschen in Gebrauch. Im Garten sind vor allem die prachtvolle Magnolie und die Weymutkiefer beachtenswert, wobei Anfang des letzten Jahrhunderts gelang es den Eigentümern sogar Südfrüchte – u.a. Feigen – mit Erfolg zu züchten. Das über einem Rechteckgrundriss angelegte Gebäude wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. erbaut. Es ist eingeschossig und hat ein hohes Untergeschoss, das Wirtschaftszwecken dient. Zusätzliche Zimmer befinden sich unter dem hohen Krüppelwalmdach.

Als Albrecht von Klitzing nach Heinrichshöfen kam, waren die verbliebenen Gebäude fast Ruinen. Zum Glück waren die Dächer noch  einigermaßen heil und deswegen war noch kein Wasser eingedrungen. Zur Zeit des Erwerbs lebte im Gutshaus trotz des fürchterlichen Zustands sogar eine junge Familie aus Warschau, die die Hälfte des ganzen Areals einem Bauern abgekauft hatte. Der Gutshof bestand aus dem Gutshaus und zwei Wirtschaftsgebäuden. Es gab noch eine große Scheune, aber sie war in einem so schlechten Zustand, dass man sie abreißen musste. Nach dem Erwerb 1993 wurde das Herrenhaus innerhalb von zwei Jahren saniert. Erst 2005 mit der Einrichtung eines geräumigen Restaurants war die Wiederherstellung der übrigen Gebäude unter Aufsicht des Denkmalschutzes schrittweise beendet..

1996 wurde der Betrieb im „Hotel im Park“ aufgenommen. Albrecht von Klitzing wollte hier eine Begegnungsstätte für Polen und Deutsche schaffen sowie den Gästen ein bisschen vermitteln, was früher die Gastfreundschaft in ostpreußischen Gutshäusern bedeutete. Jahrelang wurde der Betrieb vom Eigentümer und seiner polnischen Ehefrau geleitet. Er erfreute sich insbesondere unter deutschen Touristen, aber auch polnischen Gästen großer Beliebtheit. Ein Cousin des Eigentümers, Wilfried von Kalckstein, war von dem Vorhaben so beeindruckt, dass er beschloss, ihm bei der Realisierung zu helfen.

Alle Zimmer wurden nach den Ideen Albrecht von Klitzings ausgestattet. Ihm standen weder Fotos noch Baupläne zur Verfügung. Von Vorteil war, dass er die Gebäude einrichten konnte, ohne auf irgendetwas Rücksicht nehmen zu müssen. Andererseits stand er oft vor der Frage, wie etwas vorher ausgesehen haben könnte. Alte Aufnahmen, die man heutzutage in einigen Räumen bewundern kann, erhielt er erst später gelegentlich von Gästen. Manches sieht gegenwärtig anders aus, aber es gelang trotzdem, eine anheimelnde Stimmung zu schaffen und kaum jemand käme auf die Idee, man hätte bei der Sanierung und Ausstattung etwas falsch gemacht.

Nach v. Klitzings Meinung gibt es keinen großen Unterschied zwischen der bundesdeutschen und polnischen Bürokratie. Letztere hat in sehr starkem Masse zugenommen, seit die Republik Polen einer der EU-Mitgliedstaaten geworden ist. Vorher hatte man größeren Spielraum. Die Sanierungsarbeiten wurden insbesondere durch die Tatsache erschwert, dass der polnische Staat – anders als in der Bundesrepublik oder in Frankreich – keine Kosten  erstattete. Ein weiterer Nachteil war, dass die Gemeinde  kein Interesse an der  Entwicklung des Hotelbetriebs zeigte und in keiner Weise unterstützte, obwohl sie zu ihrem wichtigsten Steuerzahler wurde.

Die jährliche Gästezahl stieg allmählich auf über  5000 Übernachtungen. In den Zeiten, als noch kein Internetzugang im Lande möglich bzw. das Netz noch nicht so verbreitet war wie jetzt, spielte Mundpropaganda die wichtigste Rolle. Der heutige Ruhm ist also den zufriedenen Gästen zu verdanken, die gerne wiederkommen. Der Eigentümer hält es für außerordentlich wichtig, dass das Hotel am See liegt. Das ist dem besonderen Flair zu verdanken, und auch der aussergewöhnichen Lage in einem Park von fast 5 Hektar am Ufer eines Sees ohne lästigen Durchgangsverkehr Als Ein weiterer Grund für den Erfolg ist selbstverständlich eine freundliche, professionelle Bedienung.

Die Hotel- und Restaurantgäste kommen fast ausschließlich in der Saison. Alle Überlegungen, auch einen attraktiven Winteraufenthalt zu bieten, scheiterten bisher an der zunehmenden Wetterunsicherheit. Es gab zwar immer wieder Gäste, die unbedingt im Winter kommen wollten, denn ostpreußischer Winter waren für viele Leute ein durchaus positiver Begriff, aber in den letzten Jahren verschob sich die Wintersaison von Dezember-März auf Februar-April oder  es gibt überhaupt keinen durchgehenden Winter mehr.

Aus Altersgründen erwog Albrecht von Klitzing, den Betrieb  zu verkaufen. Doch ausser einigen Schnäppchenjägern, die auf einen billigen Einstieg setzten, an dem Hotel selbst aber kaum Interesse zeigten, gab es keine ernsthaften Interessenten.  Der Betrieb wird gegenwärtig von der Pächterin  „Foelsch & Fanselow Mazury GmbH“ geleitet. Der Eigentümer lebte seither in der Nähe auf einem Bauernhof und beaufsichtigte das Hotel mit wachsamen Augen. Auch aus der Rückschau ist Herr v. Klitzing überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sein 90. Geburtstag konnte noch fröhlich und mit vielen Gästen gefeiert werden. Doch dann nahmen die körperlichen Beschwerden zu, von denen er im Oktober 2016 endgültig erlöst wurde.

Im Hotel gibt es insgesamt 34 Wohneinheiten. Zur Auswahl stehen Appartements, Gästezimmer mit Bad sowie Ferienwohnungen und Nurdach-Häuser mit Bad und Küche. Die Hotelausstattung umfasst einen gemütlichen Salon mit Kamin, Konferenz- und Festräumen für bis zu 80 Personen, Massagestudio und Sauna, Billard, Tischtennis, Volleyball- und Kinderspielplatz, Badestrand, Bootsteg mit Ruder- und Paddelbooten (Heinrichshöfen hat eine gute Verbindung über den See mit Sorquitten, wo der berühmte masurische Paddelweg auf der Krutinna beginnt), Fahrräder, überdachter Grillplatz, gesicherter Parkplatz.

Im großzügigen Restaurant, das sich in einem der alten Wirtschaftsgebäude  befindet, beginnt der Tag mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet. Später können die Gäste zwischen regionalen Spezialitäten à la carte oder Tagesmenü wählen.

www.masuren-hotel.de